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Pinocchio Winshluss
Der Bund: Die Nase als Flammenwerfer und im Kopf eine Kakerlake comicgate.de: Pinocchio Mittelbayerische Zeitung: Respektlos, irrwitzig und ganz schön fies taz: Fatale Wirkung von Nasensex titel-magazin: Die Welt ist schlecht, ungelogen! satt.org: Pinocchio Boy Hugendubel.de: Märchenstunde mal anders Der Freitag: Irrfahrt eines Androiden Strapazin: Furios und fulminant Der Standard: Gezeichnet vom Leben - Pinocchios Albträume Tagesspiegel: Dieser Pinocchio ist anders
Strapazin: Furios und fulminant Das Cover sticht ins Auge: Bunt, verschnörkelt und nostalgisch die Gestaltung der Almanache des frühen 20. Jahrhunderts beschwörend. Auch der Titel "Pinocchio" verweist in die Vergangenheit: Carlo Collodi verfasste seine rabenschwarze Erziehungsmoritat 1883, Walt Disney versüsslichte sie 1940 in seinem wunderbaren Film, seither ist Pinocchio eine immer wieder neu interpretierte Ikone der populären Kultur.
Genau das reizte auch Winshluss. Der 1970 geborene Franzose ist nicht in erster Linie aus dem Strapazin bekannt, sondern als Vincent Paronnaud, Co-Regisseur von Marjane Satrapis "Persepolis". Wo aber auch Winshluss drauf steht, ist auch Winshluss drin: Winshluss ist eine unerschrockene und kompromisslose Underground-Größe, der ohne Furcht vor Tabus und Unkorrektheiten das subversive Potential der Comics erforscht und zelebriert.
Gepetto ist hier ein skrupelloser Waffenfabrikant, Pinocchio - ein niedlicher Roboter mit Flammenwerfernase, - seine Wunderwaffe zur Weltunterwerfung, und die Grille Jiminy ist eine obdachlose Wanze, die sich im hohlen Schädel des Roboters einnistet. Auch Winshluss' Pinocchio verlässt seinen Schöpfer - und stürzt ab in eine grausame Welt voller Zynismus und Zerstörung, voller Neonazis, religiösen Fundis und Mördern, voller Sex, Atommüll und vielen anderen Schrecklichkeiten mehr.
Auf 200 weitgehend wortlosen Seiten reisst uns Winshluss mit auf eine furiose und fulminante Tour de Force durch den aktualisierten "Pinocchio"-Stoff und verarbeitet auch gleich die Geschichte der populären Kultur der letzten hundert Jahre, mit besonderer Berücksichtigung des Disney-Kosmos' und von Filmklassikern wie Fritz Langs "Metropolis". Virtuos verzerrt, missbraucht, pervertiert und reflektiert er die Codes und Klischees der populären Kultur und schreckt, ganz im Geiste des Punk, auch nicht vor pubertären Scherzen und Provokationen zurück. Erzählerisch verknüpft er in Schwindel erregender Manier verschiedene Plots, und auch zeichnerisch schöpft er aus dem Vollen - von skizzenhaftem Schwarzweiss bis zu barock verkitschten Farborgien.
Vielleicht wollte Winshluss zu viel, vielleicht war er eine Spur zu ambitioniert - nicht immer geht sein Konzept auf. Und doch ist sein "Pinocchio" ein sensationeller Wurf und ein großartiger Spaß. Er wurde völlig zu Recht in Angouléme zum besten Comic des Jahres 2008 gekürt.
Christian Gasser, Strapazin #97, Dezember 2009
ISBN: 978-3-939080-40-4 [192 Seiten, HC, vierfarbig,] 
29,95 €
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