ICOM-Preis "Bestes Szenario 2012" geht an Marijpol

12.06.2012

Der wichtigste Independent-Preis der Comicbranche für das „Beste Szenario 2012“ ging an die Hamburger Künstlerin Marijpol.
Marijpol, bürgerlich Marie Pohl, wurde 1982 in Berlin geboren. Sie hat Visuelle Kommunikation und Illustration an der Hochschule für bildende Kunst und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg bei Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci studiert. Zudem hat sie ein Semester lang die Bezalel Academy in Jerusalem besucht. Seit 2004 ist sie als freie Künstlerin und Comiczeichnerin tätig. Zunächst mit selbstpublizierten Arbeiten wie „Die Abenteuer vom Herzchen, Händchen und den Äugelein“ (electrocomics.com), später in Publikationen wie Orang, Canicola, Strapazin und anderen internationen Anthologien. 2011 erschien ihr viel beachtetes Debüt „Trommelfels“ im Berliner avant-verlag. Für Ende 2012 arbeitet die Hamburger Zeichnerin an ihrem zweiten Band, „Eremit“. Marijpol lebt und arbeitet in Hamburg. Für „Trommelfels“ wurde Marijpol nun mit dem renommierten ICOM-Preis für das „beste Szenario 2012“, der im Rahmen des 15. Internationalen Comic-Salons Erlangen verliehen wurde, ausgezeichnet.


"In den Nischen des Ideenhaushalts"
Marijpol im Interview zum ICOM-Preis, zu "Trommelfels" und "Eremit"

Dein Debüt „Trommelfels“ ist vor über einem Jahr erschienen.
Was hat sich seither für dich verändert?

Die Inspiration für „Trommelfels“ war unter anderem ein
wissenschaftlicher Versuch zu Isolation und die Auswirkungen
von Dunkelheit auf den Biorhythmus. Eine junge Frau
lebt für Monate in einer Höhle. Wie man nicht sofort vermuten
würde, fühlt sie sich wohl unter der Erde und eine
Verbindung zur Aussenwelt scheint sie nicht zu interessieren.
Meine Arbeit als Zeichnerin ist diesem Versuch ziemlich
ähnlich. Ich sitze monatelang allein in meinem Atelier
und lote die Gänge und Nischen meines Ideenhaushalts aus.
Aktuell arbeite ich an meinem nächsten Projekt, „Eremit“,
das noch dieses Jahr erscheinen soll.

Worum geht es in „Eremit“?

In meinem neuen Buch geht es um einen im Wald lebenden
Eremit, dessen Kopf vor Zwiespalt geteilt ist. Er arbeitet
für ein Unternehmen, bei dem lebensmüde Senioren letzte
Reisen buchen können, die ihren schönsten Tod zum Ziel haben.
Es geht im Kern um die schwere Entscheidung zwischen
Ja und Nein, über Zweifel, Tod und Obst.

Auf dem Comic-Salon wurdest du mit dem Independent-Award
ICOM für ein herausragendes Szenario ausgezeichnet. Was
bedeutet der Preis für dich?

In „Trommelfels“ steckt viel von meinem Herzblut und auch
extrem viel Arbeitszeit. Der Preis ist eine Bestätigung
dafür, weiter zu arbeiten. Und natürlich hoffe ich, dass
der ICOM-Preis mehr Leserinnen und Leser neugierig auf
meine Arbeiten macht.

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